„Beton im Blut“
TRIER. Die Debatte über Moselaufstieg und Meulenwaldautobahn ist wieder voll entbrannt. Während sich die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft für die umstrittenen Straßenprojekte ausspricht, bekräftigen die Grünen ihre Ablehnung.
Die Trierer CDA forderte den Mainzer Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) jetzt auf, „den zügigen Bau einer Nord- und Westumfahrung Triers nicht länger zu blockieren“. Beide Projekte müssten schnellstens als vordringlicher Bedarf für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet werden: „Wir brauchen den Moselaufstieg und Meulenwaldautobahn unbedingt – damit Menschen ohne Probleme zur Arbeit und wieder nach Hause fahren können“, sagt Jörg Vollbrecht, Vorsitzender der Trierer CDU-Sozialausschüsse. Werde nicht gebaut, so stünden die Pendler weiterhin morgens und abends im Stau. Die CDA hält die derzeitige Verkehrssituation für unzumutbar.
Die rot-grüne Koalition in Mainz lasse besonders Arbeitnehmer in der Region, die täglich weite Wege nach Luxemburg oder Trier zur Arbeit fahren müssten, im Stich. „Für Pendler ist die derzeitige Situation katastrophal“, so Vollbrecht. Nach Meinung der CDA müssen Menschen „problemlos zur Arbeit und wieder zurückkommen können“. Die praktikabelste Lösung, um die täglichen Staus in und um Trier zu verhindern, sei ein zügiger Autobahnausbau. „Wenn Lewentz ein Herz für die Arbeitnehmer in der Region hat, dann muss er endlich Mittel für den Moselaufstieg und die Meulenwaldautobahn beim Bund anmelden“, so die CDA. Bei seinem Besuch in Trier am 14. Februar habe Bundesverkehrsminister Ramsauer schließlich die Bereitschaft zur Finanzierung signalisiert.
Kein Geld in Sicht sei hingegen für Projekte wie die Regionalbahn. Zwar sei man „ebenfalls für den Ausbau des ÖPNVs“. Doch die entsprechenden Pläne von Rot-Grün seien „völlig unrealistisch“. Da die Stadt Trier hoch verschuldet ist, könne sie etwaige Bahnhaltepunkte gar nicht finanzieren. „Träumen ist schön, aber den Pendlern, die jeden Tag im Stau stehen, bringt das nichts“, so Vollbrecht.
Träumer am Werk sehen hingegen auch die Kritiker von Moselaufstieg und Nordumfahrung. Denn bei seinem Besuch in der Region verriet Ramsauer nicht, wo denn das Geld für die beiden Projekte herkommen soll. Zudem wäre für die Realisierung des Moselaufstiegs eine Umfahrung in Zewen notwendig, für deren Finanzierung größtenteils die Stadt aufkommen müsste.
Unterdessen nehmen die Trierer Grünen den Landrat ins Visier: „Dass Minister Lewentz dem durchsichtigen Versuch von Herrn Landrat Schartz, durch eine wissentliche Fehlinterpretation des neuen Gutachtens einen Keil in die Landesregierung zu treiben, widersprechen würde, hätte ein erfahrener Politiker wissen können“, kommentierte Kreisvorstandssprecherin Corinna Rüffer einen Vorgang von vergangener Woche. Das hatte der Trierische Volksfreund von einem neuen Gutachten berichtet, das die Landesregierung in Auftrag gegeben hat. Zeitung und Landrat sahen nun die beiden Straßenprojekte wieder auf der Agenda. Doch nur wenige Stunden nach Erscheinen des Beitrags kam ein heftiges Dementi aus Mainz: Die rot-grüne Landesregierung halte an ihrem Ziel fest, auf beide Vorhaben zu verzichten, erklärte Lewentz. (wir berichteten)
Die Verkehrssituation in und um Trier sei „eines der drängendsten Probleme vor Ort“, erklären die Trierer Grünen. Daher werde dringend eine Gesamtkonzeption benötigt, die zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität der Menschen führe. „Zum ersten Mal wird hier nicht nur an einzelnen Maßnahmen herumgeschraubt, sondern es wird eine Bewertung aller Verkehrsträger stattfinden“, so Reiner Marz . „Wer sich diesem umfassenden Konzept in den Weg stellt, nur um an einer längst überholten Verkehrspolitik festzuhalten, muss schon Beton im Blut haben“, kritisierte der Vize-Fraktionschef im Stadtrat. Die Befürworter „der Mammutstraßenprojekte“ ignorierten „routinemäßig, dass der Großteil des in der Stadt aufkommenden Verkehrs durch Kurzstrecken von maximal fünf Kilometern verursacht werde“, kontern die Grünen.
„Meulenwaldautobahn und Moselaufstieg würden hier nur bedingt Abhilfe schaffen, um zum Beispiel das Moselufer zu entlasten“. Die Verkehrsprobleme der Zukunft ließen sich aber „mit Konzepten von gestern“ nicht lösen. „Wir brauchen attraktive Angebote im ÖPNV und der Güterverkehrslogistik, die zu einer tatsächlichen Entlastung der Straßen führen, anstatt immer wieder nicht finanzierbare Straßenprojekte zu diskutieren“, verlangen die Trierer Grünen.
von Marcus Stölb
