Trierer Fall vor Koblenzer OVG
KOBLENZ. Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz hat am Freitag den Fall einer Trierer Jura-Absolventin verhandelt, die im Verdacht steht, schon vor Ablegen ihrer Prüfung die Lösung gekannt zu haben. Geholfen haben soll ihr ein Jura-Professor.
Im September hatte 16vor exklusiv über die Auseinandersetzung zwischen der Absolventin und dem Landesprüfungsamt berichtet. Da hatte der Fall in Uni- und Justizkreisen schon die Runde gemacht.
Das Landesprüfungsamt will die Prüfung der jungen Frau nachträglich annulieren. Der Grund: Zwischenzeitlich hatte man in Mainz Wind davon bekommen, dass die Examenskandidatin zum Zeitpunkt der Prüfung mit einem inzwischen nicht mehr in Trier lehrenden Rechtsprofessor liiert war. Der war bereits vor dem Prüfungstag im Besitz der Aufgabenstellung und Lösungsskizze, schließlich gehörte er einer Prüfungskommission an. Dass die junge Frau, die zuvor mit durchweg schwachen Prüfungsleistungen durch Studium und Examen gekommen war, nun in der mündlichen Prüfung im Fach Steuerrecht ein „sehr gut“ einheimste, ließ die Verantwortlichen nun zusätzlich misstrauisch werden. Zumal Teilnehmer der Prüfungskommission 16vor gegenüber berichteten, dass sich beim Vortrag der Examenskandidatin der Eindruck aufgedrängt habe, dass dieser die Lösung schon zuvor bekannt war.
Doch erst aufgrund eines Hinweises stellte das Landesprüfungsamt eigene Nachforschungen an – und hob die Prüfung auf, um eine Wiederholung zu verlangen. Davon hielt die erfolgreiche Absolventin erwartungsgemäß nichts, weshalb sie vor das Verwaltungsgericht Trier zog, das ihr in erster Instanz Recht gab. Das Landesprüfungsamt rief daraufhin das Oberverwaltungsgericht an, das nun entscheiden muss. Am Freitag fand eine rund einstündige Verhandlung statt.
Wie die Koblenzer Richter entscheiden, dürfte in etwa zwei Wochen feststehen. Das Urteil wird in nichtöffentlicher Sitzung gesprochen und dann bekanntgegeben.
Eine umfassenden Beitrag zum Fall finden Sie hier: Fragwürdiger Prüfungserfolg
von Marcus Stölb
