„Erschreckende Unkenntnis“

BERLIN. Die Bundesregierung sieht keinen Bedarf für einen weiteren Ausbau der Moselstrecke. Das teilte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, dem Trierer Bundestagsabgeordneten Manfred Nink mit.

Nink (SPD) hatte wissen wollen, welche Maßnahmen die Bundesregierung ergreifen wolle, um den Fernverkehr auf der Strecke attraktiver zu gestalten. Enak (CDU) antwortete in seinem Brief, der 16vor vorliegt: „Mit dem zweigleisigen Ausbau des Streckenabschnittes Igel nach Igel-West durch den Bund, unter finanzieller Beteiligung des Großherzogturns Luxemburg und des Landes Rheinland-Pfalz sowie der DB AG, wird die Voraussetzung zur Umsetzung des Rheinland-Pfalz-Taktes 2015 geschaffen“. Hierdurch würden die Verkehrsverhältnisse der Region Trier-Luxemburg „deutlich verbessert“, so Enak. Der Staatssekretär weiter: Ein „darüber hinausgehender Ausbau der Moselstrecke zur Verkürzung der Fahrzeiten hat sich bisher nicht wirtschaftlich darstellen lassen“. Zu Erinnerung: Das Großherzogtum hat sich bereit erklärt, 8 der voraussichtlich knapp 20 Millionen Euro, die der Ausbau der Strecke zwischen Igel und Igel-West kosten soll, zu übernehmen.

Er sei „sehr enttäuscht“ von der Antwort Enaks, kommentierte Nink gegenüber 16vor das Schreiben aus dem Bundesverkehrsministerium. „Die Bundesregierung macht deutlich, dass sie nicht gewillt ist, die Moselstrecke für den Fernverkehr attraktiver zu machen und Maßnahmen zu planen, die Fahrzeitverkürzungen bringen könnten“.

Unterdessen scheint man bei der Deutschen Bahn AG offenbar wenig angetan von einem Vorschlag aus dem Bundesverkehrministerium in punkto Fernverkehr. 16vor hatte vergangene Woche exklusiv über ein Schreiben des Ministeriums an OB Klaus Jensen (SPD) berichtet, in dem der Vorschlag gemacht wurde, die luxemburgische Staatsbahn CFL könne durchgängige Fernverkehrsverbindungen von Luxemburg über Trier nach Köln anbieten. In einem Gespräch habe Bahnchef Rüdiger Grube ihm am Donnerstag erläutert, dass der Einsatz von Fernverkehrszügen der luxemburgischen CFL auf der Moselstrecke „in der Praxis nicht realistisch“ sei, berichtete Nink von seinem Gespräch mit Grube. Der Bahnchef habe ihm gegenüber erklärt, dass der Vorschlag des Ministeriums „aus Gründen der Streckenbelegung und des Zugtaktes nicht möglich sei“. Der Einsatz eines luxemburgischen Zuges auf einer Teilstrecke von Köln nach Luxemburg lasse sich zudem allein schon aufgrund der hohen Auslastung des Kölner Hauptbahnhofes „nicht bewerkstelligen“.

Was wiederum die Frage aufwirft, weshalb nun und in Zukunft nicht mehr möglich sein soll, was in der Vergangenheit problemlos funktionierte: Bis Dezember fuhren die IC von Luxemburg und Trier über die Domstadt in den Norden, und dass die Aufrechterhaltung des Fernverkehrs in die Region an der hohen Auslastung des Kölner Hauptbahnhofs gescheitert wäre, war bislang auch noch nicht zu hören. Grube dürfte denn auch vielmehr grundsätzlich wenig Interesse daran haben, dass ein zusätzlicher ausländischer Mitbewerber im deutschen Fernverkehr auf den Plan tritt.

Nink nahm Grubes Äußerungen zum Anlass, erneut scharfe Kritik an dem Schreiben aus dem Bundesverkehrsministerium zu üben: „Es ist erschreckend, mit welcher Unkenntnis der praktischen Gegebenheiten seitens des Bundesverkehrsministeriums die luxemburgischen Kolleginnen und Kollegen mit solchen unabgestimmten Vorschlägen konfrontiert werden“. In Luxemburg hatte man gleich nach Bekanntwerden des Vorschlags deutlich gemacht, dass die CFL keinen Fernverkehr nach Köln plant.

Weitere Informationen: Bund sieht Luxemburg am Zug

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