Tausende Fachkräfte benötigt

TRIER. Die der IHK und HWK Trier angehörenden rund 36.000 Unternehmen könnten angeblich 3.000 Fachkräfte einstellen, wenn diese mit der richtigen Qualifikation am regionalen Arbeitsmarkt verfügbar wären. Und das sei noch eine „vorsichtige“ Schätzung, heißt es.

Die beiden Kammern führten gemeinsam mit der Initiative Region Trier (IRT) eine Unternehmensbefragung durch. An der Befragung haben rund 700 regionale Unternehmen teilgenommen, die 32.000 Arbeitnehmer beschäftigen.

40 Prozent der befragten Betriebe, die im Durchschnitt 47 Mitarbeiter beschäftigen, berichteten demnach von offenen Stellen, die nicht angemessen besetzt werden könnten. Hochgerechnet auf den IHK-Bereich, also Industrie, Handel und Dienstleistungen, fehlten somit 1.550 geeignete Fachkräfte, bezifferten die Verantwortlichen am Dienstag. Im Handwerk einschließlich Baugewerbe seien es sogar 1.600 offene Stellen, die nicht angemessen besetzt werden könnten. Damit ergebe sich nach „vorsichtiger Schätzung“ eine regionale Fachkräftelücke bei den IHK- und HWK-Mitgliedsunternehmen von mindestens 3.000 Personen. Nicht einbezogen in die Untersuchung wurden Landwirtschaft und Weinbau, freie Berufe sowie der öffentliche und gemeinnützige Sektor, sodass der gesamte Fachkräftebedarf in der Region noch deutlich höher zu veranschlagen sein dürfte.

Laut Angaben von IRT, IHK und HWK ist die Stellenbesetzung im Bedarfsfall für kleinere Firmen schwieriger zu bewerkstelligen als für große Unternehmen. Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten meldeten jede zwölfte Stelle unbesetzt. Bei Unternehmen ab 50 Beschäftigten sei es nur jede 81. Stelle. Branchenbezogen stelle die Fachkräftesicherung für das Bau- und Ausbaugewerbe sowie das sonstige Handwerk die größte Herausforderung dar. Der Industrie gelinge es hingegen vergleichsweise gut, ihren Fachkräftebedarf zu decken, doch hier seien die zu besetzenden Stellen überdurchschnittlich häufig dem hochqualifizierten Bereich zuzuordnen.

Den größten Personalbedarf haben die Unternehmen bei der mittleren Qualifikationsebene von Mitarbeitern mit abgeschlossener Ausbildung. Die Betriebe erwarten jedoch über alle Ausbildungsniveaus, mit Ausnahme an- und ungelernter Hilfskräfte, eine Verschärfung der Rekrutierungsprobleme in den kommenden drei bis fünf Jahren. Während derzeit knapp 20 Prozent der Befragten berichten, sie hätten große Probleme bei der Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, erwarten rund 35 Prozent, in drei bis fünf Jahren vor großen Schwierigkeiten zu stehen. Für knapp die Hälfte der Befragten ist der Fachkräftemangel derzeit kein Problem für den geschäftlichen Erfolg. Jedoch glauben nur gut 20 Prozent der regionalen Unternehmen, dass dies in drei bis fünf Jahren ebenfalls noch der Fall sein wird. Gleichzeitig macht die Umfrage laut IRT, IHK und HWK deutlich, dass die Betriebe zum großen Teil bereits Maßnahmen zur Fachkräftesicherung umgesetzt haben und sich der Herausforderung bewusst sind. Jeweils rund drei Viertel der Befragten geben an, die folgenden Instrumente auf betrieblicher Ebene anzuwenden: Weiterbildung, familienfreundliche Arbeitsbedingungen, freiwillige soziale Leistungen oder überbetriebliche Bezahlung, Beschäftigung älterer Mitarbeiter, Ausbildung.

Laut Unternehmensangaben erschweren vor allem auch Probleme mit überregionalem Charakter die betriebliche Fachkräftesicherung. So wird das Nettolohngefälle zwischen der Region Trier und dem benachbarten Großherzogtum Luxemburg ebenso genannt wie falsche Anreizstrukturen des deutschen Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungssystems, Defizite des deutschen Bildungssystems sowie auch das Image der Region Trier. Gleichzeitig haben die Unternehmen eine Reihe von Handlungsvorschlägen zur regionalen Fachkräftesicherung unterbreitet, angefangen bei der überregionalen Rekrutierung von Fachkräften über die stetige Verbesserung des Unternehmensimages als „guter Arbeitgeber“ bis hin zu Maßnahmen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. IRT, IHK und HWK wollen in den kommenden Monaten diese Vorschläge intensiv diskutieren und prüfen, welche Maßnahmen in Ergänzung zu den bereits zahlreich bestehenden Angeboten im regionalen Schulterschluss umgesetzt werden können.

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