Ungewöhnliche Ansicht des Doms
TRIER. Das Museum am Dom konnte vergangene Woche eine bislang unbekannte Ansicht des Trierer Domes, vom Domkreuzgang aus gesehen, erwerben.
Es handelt sich um eine kombinierte Aquarell- und Gouache-Darstellung, die von dem Architekturmaler Adolf Wegelin (1810-1881) nach einer feinen Bleistiftvorzeichnung auf Karton ausgeführt wurde. Wegelin hat das Blatt unten links signiert. Dem Trierer Antiquariat Peter Fritzen ist die Vermittlung des Gemäldes aus einer Düsseldorfer Auktion nach Trier zu verdanken.
Der auf Architekurdarstellungen spezialisierte Wegelin hat den Trierer Dom und den Kreuzgang im Wesentlichen in seinem spätbarocken Zustand festgehalten. Gegenüber vielen anderen Domansichten des 19. Jahrhunderts hat man es also nicht mit einer romantisch verklärten Darstellung zu tun.
Da das Blatt undatiert ist, muss aus dem Bauzustand des Domes auf die ungefähre Datierung des Blattes rückgeschlossen werden. Verändert gegenüber dem barocken Zustand sind das ehemals geschweifte Dach des Ostchores sowie die barocken Fenster des Ostchores, die von Johann Nikolaus von Wilmowsky um 1850 in ihren romanischen Zustand zurückgebaut wurden. Das würde eine Datierung in die Zeit um 1860 nahelegen.
Bei aller Genauigkeit, die Wegelin bei der Darstellung der Architektur an den Tag legt, stellt ein Detail doch eine harte Nuss für den Kunsthistoriker dar: über dem Badischen Bau etwa in der Mitte des Blattes unterhalb des südöstlichen (roten) Turmes gibt er einen hellen Treppengiebel an, der bislang völlig unbekannt ist. Handelt es sich um eine Zutat des Malers, ein Versehen oder ein bislang unbekanntes Puzzlestückchen in der großen Dombaugeschichte? Hierzu werden noch weitere Nachforschungen notwendig sein.
Adolf Wegelin wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts insbesondere mit seinen Ansichten des Kölner Domes und anderer Sehenswürdigkeiten in Köln und im Rheinland bekannt. Viele Ansichten entstanden im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., der ihn später zum königlichen Hofmaler ernannte.
von 16vor
