„Kein Platz für Jubelorgien“
TRIER. Die Zahl der Arbeitslosen ist im November in der Region Trier um 200 Personen angestiegen. Ein leichter Anstieg im November ist eigentlich saisonüblich, doch in diesem Jahr fiel er mehr als doppelt so hoch aus wie noch im vergangenen Jahr.
Für Wolfram Leibe, Chef der Trierer Arbeitsagentur, ist dies aber noch kein Grund zur Beunruhigung: „Wir sind in der Region Trier sehr stark abhängig von der saisonalen Entwicklung in der Gastronomie und im Baugewerbe. Dabei spielt nicht nur die Wetterlage eine Rolle, auch die Verteilung von Feiertagen oder Ferienterminen können Einfluss auf den Entlassungszeitpunkt haben.“ Leibe weiter: „Die großen saisonalen Belastungen kommen bei uns in der Regel erst im Januar und Februar, erst dann können wir genaueres zur Saison sagen.“
Ein anderes Thema treibt den Agenturchef in Trier in der letzten Zeit viel stärker um: „In Gesprächen und Diskussionsrunden werde ich in letzter Zeit immer häufiger begrüßt mit den Worten ‚3,5 Prozent, das ist doch eigentlich Vollbeschäftigung!‘ Ich sehe aber weniger die Arbeitslosenquote als die tatsächliche Zahl: 9.246 Arbeitslose, das sind genau 9.246 Arbeitslose zu viel!“
Leibe erinnert daran, dass viele Arbeitslose auch eine Familie haben. Er schätzt, dass mit Ehepartnern und Kindern in der Region gut 30.000 Menschen direkt oder indirekt von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Für Jubelorgien sei da kein Platz, vielmehr seien weiter große Anstrengungen nötig, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen: „In unserer Region besteht häufig eine enge Verbindung zwischen den Unternehmen und ihren Mitarbeitern, das ist ein Pfund mit dem die Region wuchern kann.“
Viele Fachkräftebedarfe könnten auch über den regionalen Arbeitsmarkt abgedeckt werden, so Leibe. In drei Gruppen sieht die Agentur für Arbeit großes Potenzial: Neben Frauen und Männern, die sich im Moment in einer Familienphase befinden, seien es vor allem Ältere und auch schwerbehinderte Menschen, deren Kompetenzen nicht in vollem Umfang genutzt würden.
Gerade auf die Gruppe der schwerbehinderten Menschen möchte die Agentur für Arbeit in den nächsten Wochen und Monaten die Aufmerksamkeit besonders lenken. „Viele schwerbehinderte Menschen besitzen eine gute Qualifikation und hohes Engagement“, erklärt der Leiter der Arbeitsvermittlung für schwerbehinderte Menschen, Joachim Wagener. „Viele Arbeitgeber sind aber falsch informiert über die Regelungen zum Behindertenrecht, die modernen technischen Unterstützungsmöglichkeiten und die finanziellen Förderungsmöglichkeiten die bei Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen bestehen“, erklärt Wagner weiter. Mit einer Aktionswoche möchte die Agentur für Arbeit in der kommenden Woche den Auftakt zu weiteren Aktivitäten auf diesem Gebiet machen. „Das erste Ziel ist, dass die Unternehmen bereit sind uns ein offenes Ohr für die Belange der schwerbehinderten Menschen zu leihen, Vorurteile abzubauen und sich mit Fragen direkt an uns wenden. Ich bin überzeugt, dass wir dann einige Unternehmer überraschen können“, meint Wagner.
Die Daten im Einzelnen:
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Trier waren im November 9.246 Menschen arbeitslos, dies sind 200 mehr als im Oktober, aber 827 weniger als noch im November des vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote ist um 0,1 Prozentpunkte von 3,4 Prozent im Oktober auf 3,5 Prozent im November gestiegen. Im November des vergangenen Jahres lag die Quote noch bei 3,8 Prozent.
Die Stadt Trier ist die einzige Kommune in der Region, die im November einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnen konnte. Im November waren in der Stadt 2.796 Personen arbeitslos, 25 weniger als noch im Oktober und 304 weniger als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,3 Prozent stabil geblieben, vor einem Jahr lag sie noch bei 5,8 Prozent. Im Landkreis Trier Saarburg ist die Arbeitslosenzahl von Oktober zum November um 14 Personen auf 2.229 Personen gestiegen. Vor einem Jahr waren mit 2.366 noch 137 Personen mehr gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 2,9 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 3,1 Prozent.
von 16vor
