„Unangemessen und unqualifiziert“

TRIER. In der Debatte um das vorzeitig beendete „Visiting Fellowship“ mit dem Militärhistoriker Martin van Creveld hat sich nun Uni-Präsident Michael Jäckel zu Wort gemeldet. Der Soziologe kritisiert die „zunehmend auch polemisch geführte Diskussion“.

Der Vortrag van Crevelds und die sich daran anschließende Diskussion hätten gezeigt, „dass er das Forum des HKFZ und der Universität Trier für die Darstellung von Thesen verwandt hat, die sich aufgrund ihres Inhalts einer sachlichen Diskussion entziehen“, erklärte Professor Jäckel. Die Universitätsleitung bedauere es sehr, „dass es zu einer solchen Auslegung der Einladung“ gekommen ist. Der Präsident weiter: „Die Gespräche der letzten Tage haben gezeigt, dass eine Rückkehr zu dem ursprünglich vereinbarten Forschungsgebiet vor dem Hintergrund einer zunehmend auch polemisch geführten öffentlichen Diskussion nicht mehr möglich ist. Die Universitätsleitung begrüßt daher die zwischen dem HKFZ und Herrn van Creveld getroffene Auflösungsvereinbarung“.

Auch das HKFZ äußerte sich zwischenzeitlich in einer umfassenden Stellungnahme zu dem Vorgang. Man habe van Creveld aufgrund „seiner international unbestrittenen Kompetenz als Kriegshistoriker“ eingeladen, „insbesondere, weil in vielen seiner militärgeschichtlichen und strategischen Arbeiten der Raum eine große Rolle spielt – und das ist das aktuelle Rahmenthema in unserem Forschungszentrum“. Hierüber hätte man nach Meinung des HKFZ-Vorstands auch „trefflich diskutieren und auch streiten“ können. In der Stellungnahme heißt es weiter: „Wir möchten dezidiert darauf hinweisen, dass der ‚Offene Brief‘, der Herrn van Creveld als ‚militaristisch‘ und ‚latent antiisraelisch‘ bezeichnet, in unseren Augen unangemessen und unqualifiziert ist“.

HKFZ: Wir sind kein ‚Speakers Corner‘

Was zur Trennung geführt habe, sei auch keineswegs allein der Vortrag vom 17. Oktober, heißt es vonseiten des HKFZ. „Allerdings sind uns erst im Zusammenhang mit diesem Vortrag (und damit allzu spät) Ausführungen von Herrn van Creveld über das vermeintlich ‚bevorzugte Geschlecht‘ der Frauen, insbesondere sein gleichnamiges Buch, bekannt geworden. Hätten wir diese Seite der Publikationsaktivitäten von Herrn van Creveld vorher gekannt, und das sagen wir durchaus selbstkritisch, wäre er nicht als Fellow eingeladen worden. Das HKFZ möchte sein Forum für diese Ansichten, auf die Herr van Creveld auch in Vortrag und Diskussion Bezug genommen hat, nicht zur Verfügung stellen. Vieles, was Herr van Creveld in diesem Kontext publiziert und geäußert hat, ist in unseren Augen schlichtweg und im strikten Sinne ‚in-diskutabel‘ und lässt – im Unterschied zu seinen gründlichen kriegshistorischen Arbeiten – seriöse theoretische und methodische Standards vermissen.

Dass man die weiteren geplanten Veranstaltungen mit Herrn van Creveld abgesagt hat, habe daher „nur sehr vermittelt mit einem Eingriff in die Meinungs- und Redefreiheit zu tun. Eine von einem universitären Forschungszentrum organisierte und finanzierte Vortragsveranstaltung mit Diskussion ist kein Speakers‘ Corner. Es handelt sich vielmehr um eine Veranstaltung, die ihre eigenen Regeln besitzt und mit einem bestimmten Anspruch auf Validität und Begründbarkeit von Argumenten verbunden ist“. Auch werde sie unter dem Namen und in der Verantwortung der organisierenden Forschungseinrichtung durchgeführt. „Die entstandene Konstellation (Publikationen und Auftritt von Herrn van Creveld, Offener Brief u.a.) hat die Möglichkeiten für sachlich berechtigte Diskussionen aufgezehrt. Aus diesem Grund war für uns die einzig verantwortliche Konsequenz eine Trennung zwischen dem HKFZ und Herrn van Creveld und ein Verzicht auf weitere Veranstaltungen mit ihm.“

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