„Unerträglicher Poker“
TRIER. Nachdem die Deutsche Bahn AG entschieden hat, fast den kompletten Fernverkehr von und nach Trier einzustellen, regt sich nun auch im Stadtrat Kritik. Die Grünen sprechen von einem „unerträglichen Poker“
Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion, Anja Reinermann-Matatko, kritisiert vor allem den Konzern. Mit ihrer Entscheidung, den Fernverkehr schon im Dezember bis auf zwei Zugpaare täglich zusammenzustreichen und damit den Stundentakt nach Koblenz außer Kraft zu setzen, riskiere die Bahn, die „Sympathie ihrer treuen Kunden zu verlieren und Neukunden von der Nutzung der Bahn abzuschrecken“, warnt sie. „Gerade im Vorfeld des Rheinland-Pfalz-Takts 2015, mit dem der Stundentakt fest installiert werden soll, ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar“, so Reinermann-Matatko, die fragt: „Geht es der DB angesichts ihrer Milliardenausgaben für ‚Stuttgart 21‘ so schlecht, dass sie sich nicht einmal mehr die dreijährige Fortführung des Trierer Fernverkehrs bis 2015 leisten kann?“
Die Bahn setzt nach Auffassung der Grünen „ein falsches Signal in Richtung Zukunft: Wir können es uns aus verkehrs-, finanz- und umweltpolitischen Gründen nicht mehr leisten, dass die Menschen mit Anti-Bahn-Projekten wie Moselaufstieg und Meulenwaldautobahn nach Koblenz kommen“. Hinweis der Bahn, in Zukunft reiche für die Moselstrecke der Regionalexpress aus, sei „zynisch“. Reinermann-Matatko: „Ich will einen Platz reservieren können, das geht in Regionalzügen nicht. Kleinkindabteile gibt es auch nur in IC und ICE. Und wenn ein Kinderwagen nicht in die Flure eines Regionalexpresses passt, wird ein Rollstuhl dort genauso hängen bleiben.“ Die Verantwortlichen bei der Bahn und im Bund seien nun gefordert, zusammen mit dem Land eine geeignete Lösung zu finden, wie zumindest der gegenwärtige Bedienungsstandard erhalten werden kann, verlangen die Grünen.
Doch hierfür dürfte der Zug sprichwörtlich abgefahren sein. Denn die Entscheidung der Bahn kam nicht überraschend. Schon seit Monaten zeichnete sich ab, dass das Unternehmen sein Angebot in die Moselstadt und nach Luxemburg drastisch kürzen würde. Doch hiergegen regte sich innerhalb des Stadtrats keinerlei Widerstand. Nach Informationen von 16vor sah man auch im Stadtvorstand bislang keine Veranlassung, bei der Bahn oder im Mainzer Infrastrukturministerium, wo man die Forderung nach einem Landeszuschuss von rund 2 Millionen Euro für die Aufrechterhaltung des aktuellen Angebots ablehnte, zu intervenieren.
von Marcus Stölb
