„Indiskutabler Vorschlag“

TARFORST. In Tarforst regt sich massiver Widerstand gegen die geplante Veränderung der Schulbezirksgrenzen. In einem offenen Brief fordern die Eltern nun Stadtvorstand und -rat auf, Alternativen zu prüfen.

Weil die erst vor zwei Jahren fertiggestellte Grundschule Tarforst bereits aus allen Nähten platzt, möchte Schuldezernentin Angelika Birk (B90/Die Grünen) durch eine Veränderung der Schulbezirksgrenzen die Schülerströme umlenken. Davon profitieren soll unter anderem die Grundschule Olewig, deren Kapazitäten seit Jahren nicht ausgelastet sind. Die von der Stadt favorisierte Lösung hätte allerdings zur Konsequenz, dass ganze Klassenverbände künftig nach Olewig gefahren werden müssten, eventuell in Form eines eigenen Shuttle-Verkehrs. Im Gegenzug soll der Stadtvorstand sich bereits festgelegt haben, dass es in Tarforst aus Kostengründen nicht zu einer baulichen Erweiterung der Grundschule kommt.

Diese Überlegungen stoßen bei den Betroffenen auf entschiedenen Widerstand. „Eine Erweiterung der zweizügigen Schule auf drei Züge scheint nun geboten, zumal auch in den nächsten Jahren hohe Schülerzahlen in Tarforst absehbar sind“, heißt es in einem Offenen Brief zahlreicher Eltern an den Oberbürgermeister sowie die Fraktionen des Stadtrat. Ein Ausweichen nach Olewig würde „zu Schulwegen von bis zu einer dreiviertel Stunde führen“, warnen sie und erklären unmissverständlich: „Wir halten das für einen indiskutablen Vorschlag, der Kinder ohne Not aus ihrem sozialen Umfeld reißt und ihnen aufgrund der großen Entfernung kaum Möglichkeiten bietet, außerschulische Kontakte mit ihren neuen Mitschülern aufzubauen“. Weiter heißt es in dem Brief, der 16vor vorliegt: „Schlimmer noch: Die Stadt spart auf Kosten der sechsjährigen Kinder noch nicht einmal Geld, denn für einen Schulbus (und sogar für die wirklich absurde Idee, Erstklässler mit dem Linienbus quer durch Trier fahren zu lassen) müsste die Stadt einen fünfstelligen Betrag (ca. 35.000 Euro) pro Jahr ausgeben, während es sehr viel bessere und sogar preiswertere Lösungen gibt“.

Die Unterzeichner schlagen stattdessen vor, zumindest übergangsweise bereits vorhandene Räume in der Schule oder in unmittelbarer Nähe als Klassenzimmer zu nutzen. „Hier böte sich zum Beispiel die Aula der Grundschule oder das jetzige Musikzimmer an. Diese Lösung würde minimale Kosten verursachen“. Ein Ausbau der Grundschule sei zudem „im Gebäude bereits angelegt“, geben die Eltern zu bedenken und verlangen von der Verwaltung: „Die Kosten dafür müssten von der Stadt solide berechnet werden“. Für einen Ausbau böten sich nach Ansicht der Unterzeichner auch Räume in Modulbauweise an. „Hier entstünden bei einem mittelfristigen Bedarf von drei Schulräumen jährliche Gesamtkosten von rund 22.000 Euro pro Jahr plus ein einmaliger Betrag für Transport und Aufbau von etwa 10.000 Euro“. Der Platz für den Aufbau sei neben der Grundschule vorhanden und schränke die Benutzung des Schulgeländes nicht ein. Auch eine vorübergehende Erhöhung der Klassenstärke sei man bereit zu akzeptieren, um allen Erstklässlern im nächsten Jahr den Besuch der Schule auch ohne einen sofortigen Ausbau zu ermöglichen.

„Wir wollen keinen Luxus. Wir sind sogar bereit, Einschränkungen hinsichtlich der Qualität der Klassenzimmer oder der Klassenstärke hinzunehmen“, betonen die Unterzeichner und schreiben weiter: „Wir wollen aber auf jeden Fall verhindern, dass sechsjährige Kinder Tag für Tag quer durch Trier auf die Reise geschickt werden, ohne Rücksicht auf bestehende Freundschaften und soziale Bindungen und das, obwohl es nachhaltigere und kostengünstigere Lösungen gibt!“

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