Doerfert-Urteil angefochten
TRIER/KOBLENZ. Die Staatsanwaltschaft Koblenz will das Urteil gegen den ehemaligen Gesundheitsmanager Hans-Joachim Doerfert überprüfen lassen. Man habe Berufung eingelegt, bestätigte die Behörde auf Anfrage.
Das Amtsgericht Trier hatte Doerfert am 23. August zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der 67-Jährige der Untreue und der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht hat. Als „faktischer Vorstand“ eines Trierer Unternehmens habe er im Mai 2007 einen Insolvenzantrag gestellt, obwohl die Aktiengesellschaft bereits im Mai 2006 zahlungsunfähig gewesen sei. Zudem habe Doerfert 30.000 Euro, die für seinen früheren Arbeitgeber bestimmt waren, auf seinem privaten Konto eingezahlt. (wir berichteten)
Während die Verteidigung Freispruch forderte, plädierte die für Wirtschaftsstrafsachen zuständige Zentralstelle der Staatsanwaltschaft in Koblenz für eine Haftstrafe von 21 Monaten. Nun legte die Anklage Berufung gegen die vom Amtsgericht verhängte Bewährungsstrafe ein. Die Berufungsbegründung steht laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Dr. Horst Hund noch nicht fest. Als sicher gilt aber, dass die Staatsanwaltschaft ein höheres Strafmaß erreichen will.
Für Doerfert könnte dies indes zu einem ernsthaften Problem werden. Denn 2001 war der ehemalige Chef der Caritas-Trägergesellschaft Trier (CTT) von zwei Gerichten in Koblenz und München zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren verurteilt worden. Der Manager hatte sich im großen Stil der Untreue und Bestechlichkeit schuldig gemacht und den kircheneigenen Gesundheitskonzern an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds geführt. Nach der Hälfte der Haftstrafe kam Doerfert dann wieder auf freien Fuß, seither steht er aber unter Bewährung. Eine höhere Strafe könnte ihn wieder hinter Gitter bringen.
Auch Doerfert wollte Berufung gegen das Urteil einlegen, hofft er doch noch immer auf einen Freispruch. Doch laut einem Bericht des Trierischen Volksfreunds versäumte es seinen Anwalt, den vorbereiteten Schriftsatz fristgerecht beim Amtsgericht einzureichen. Verteidiger Paul Greinert und Hans-Joachim Doerfert waren am Mittwochnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
von Marcus Stölb
