“Das will niemand!”
Überlegungen für den Bau eines Paket- und Briefverteilzentrums in der Güterstraße haben am Dienstagabend den Stadtrat auf den Plan gerufen. Obwohl der Investor bislang nur eine Bauvoranfrage stellte, kann er sich bereits jetzt keinerlei Hoffnungen mehr auf eine Realisierung des Vorhabens machen – zumindest nicht in Kürenz. Denn Sprecher aller Fraktionen machten unmissverständlich deutlich, dass sie ein Frachtzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ablehnen. Damit die Stadt nach der Entwidmung der benötigten Flächen durch die Bahn die Planungshoheit für das Areal erhält, wird nun ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.
TRIER. Dass Triers Bahnhofsviertel städtebaulich zu wünschen übrig lässt, ist hinreichend bekannt. Doch schlimmer noch als auf der Westseite präsentieren sich die Bahnbrachen östlich der Gleisanlagen. Dabei böte gerade der Bereich zwischen Schönborn- und Güterstraße und vor allem der ehemalige Güterbahnhof enormes Entwicklungspotenzial. Doch hierfür müsste die Bahn die Flächen zunächst entwidmen und veräußern- und die Stadt müsste in einem Bebauungsplan festlegen, wie sie sich die Konversion des Geländes vorstellt.
Das soll nun geschehen: Einstimmig beschloss der Stadtrat am gestrigen Abend die Aufstellung des Bebauungsplans BK 24 “Zwischen Schönbornstraße und Güterstraße”. In der Begründung zur Verwaltungsvorlage heißt es: “Zielsetzung der Planung ist insgesamt die Festsetzung des Plangebiets als Gewerbegebiet, das im Hinblick auf die Belange des Immissionsschutzes hinsichtlich des zulässigen Störgrades der Betriebe einzuschränken ist”.
Der Betrieb eines Paket- und Briefzentrums würde den “Störegrad” wohl kaum einschränken. Doch geht es nach einem Trierer Investor, dann könnte ein solches Zentrum in der Güterstraße entstehen. Eine entsprechende Bauvoranfrage wurde bereits gestellt. Würde das Vorhaben tatsächlich realisiert, müssten die Anwohner der umliegenden Straßen in Kürenz und Trier-Mitte/Gartenfeld mit einem beträchtlichen Anstieg des Verkehrsaufkommens rechnen, und das zur besten Schlafenszeit. Denn die Pakete und Briefe würden nachts angeliefert und in den frühen Morgenstunden mit Kleintransportern wieder ausgeliefert.
Dass die Bauvoranfrage positiv beschieden wird, scheint indes mehr als unwahrscheinlich. Denn im Stadtrat, der gestern Abend zum letzten Mal in alter Besetzung tagte, hat sich bereits fraktionsübergreifender Widerstand formiert. Rainer Lehnart (SPD) sprach von einem “erschreckenden Gebäudevolumen” und nannte das Projekt “absolut stadt- und wohnquartierunverträglich”. Sein Genosse Friedel Jaeger brachte die Stimmung im Rat auf den Punkt, indem er feststellte: “Das will niemand!” Auch Manfred Maximinis Begeisterung hielt sich in Grenzen, doch stieß sich der UBM-Mann vor allem an der geplanten verkehrlichen Anbindung des Zentrums an die Güterstraße. Würde der Verkehr hingegen über die Schörnbornstraße abfließen, könne ein größeres Gebäude an der Güterstraße eventuell sogar als eine Art Lärmschutzwand zu den Gleisen dienen, glaubt Maximini. Grünen-Ratsmitglied Dominik Heinrich warnte davor, dass mit einem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan “den Investorenplänen Vorschub geleistet werden könnte”.
Doch genau dies beabsichtigt die Stadt nach den Worten von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani nicht. Im Gegenteil: Für die Verwaltung stehe nun im Vordergrund, die Planungshoheit zu erlangen, erklärte die Christdemokratin. Denn sollte die Bahn die vorgesehenen Flächen entwidmen und für eine andere Nutzung freigeben, und die Stadt hätte dann keinen Bebauungsplan zur Hand, “dann könnten wir nichts mehr machen”, so Kaes-Torchiani. Auf Vorschlag von OB Klaus Jensen (SPD) wurde der Abschnitt in der Begründung der Verwaltungsvorlage, in dem die Pläne des Investors grob skizziert wurden, wieder gestrichen.
Mit dieser Lösung konnten sich sämtliche Fraktionen anfreunden, nicht aber mit einer anderen anvisierten Zielsetzung des neuen Bebauungsplans: der “Schaffung von Angeboten für ergänzende nicht-großflächige Nahversorgungseinrichtungen”. Redner mehrerer Fraktionen verwiesen darauf, dass das bestehende Angebot im Gartenfeld durchaus zufriedenstellend sei. Im Übrigen lasse sich die Nahversorgung für die Bewohner von Trier-Ost auch mit dem Bau einer direkten Querung zum Hauptbahnhof verbessern. Doch für deren Realisierung, für die sich inzwischen auch eine internetbasierte Bürgerinitiative stark macht, existiert nicht einmal eine Bauvoranfrage.
von Marcus Stölb
1. Juli 2009 (10:59 Uhr)
Ich frage mich, wozu der damalige Baudezernent Peter Dietze vor drei Jahren die mehrtägige hochkarätig besetzte Planungsveranstaltung zum Bahnhofsumfeld durchgeführt hat, wenn, wie im konkreten Fall, nicht ein einziges Ratsmitglied deren Ergebnis in der Stadtratssitzung erwähnt – so zumindest dem Bericht zu entnehmen. Und eine Bauvoranfrage für die direkte Querung von Trier-Ost zum Hauptbahnhof, die – gleichgültig ob als selbstständiger Fußgängersteg oder als Brücke im Rahmen des Petrisbergaufstiegs – eines der Ergebnisse dieser Veranstaltung war, müsste die Stadt nach Eisenbahnkreuzungsgesetz selbst stellen. Sowohl für die eine wie für die andere Variante schlummern entsprchende Planskizzen in den Schränken und Schubladen der Verwaltung, die ihrer weiteren Bearbeitung zu verfahrens- und baureifen Entwürfen harren.
1. Juli 2009 (11:42 Uhr)
@ Raimund Scholzen:
Natürlich habe ich gestern auch die dringend erforderliche Brücke für Fußgänger- und Fahradfahrer als wichtige Anbindung von Trier-Ost an den Hauptbahnhof und dessen Umfeld angesprochen. Mit ihr ist eine Ansiedlung von Einzelhandelsflächen (in Form von Aldi, Lidl usw.) als so genannte Nahversorger für Trier-Gartenfeld im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs absolut unnötig – zumal in der Gartenfeldstraße “echte” Nahversorger existieren, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad leicht zu erreichen sind.
1. Juli 2009 (14:39 Uhr)
@Raimund Scholzen:
In meiner gestrigen Rede im Stadtrat bin ich explizit auf die erforderliche Brücke eingegangen, zunächst als Fuss- und Radbrücke, mit der Option einer späteren Erweiterung als ÖPNV-Querung mit Zugang zu den Gleisen.
Die Fußläufige Überquerung der Gleise ist für Trier-Ost wichtiger denn je,ermöglicht sie doch neben der Nahversorgung auch eine bessere Erreichbarkeit zum ÖPNV- Angebot am Hauptbahnhof.
2. Juli 2009 (09:20 Uhr)
Ob ” niemand” das Brief- und Verteilzentrum in dieser Lage möchte, vermutet der Herr Jäger- abschließend- freilich nur.. Die jetzige Gebäudelage ist ein objektiver Schandfleck für Trier – Ost und ich würde jede Veränderung begrüßen.
Freilich kann man es nicht jedem ” Recht” machen. Die Lärmsituation vor Ort, ist durch den Bahnhof jetzt schon nicht unerheblich.Dieses Zentrum würde Arbeitsplätze schaffen, was sicherlich begrüßenswert wäre. Zudem könnte man in die Baumaßnahme eine Fußgängerbrücke über den Bahnhof ( wie o.g.Text gewünscht )realisieren.Die Ein-und Abfahrt der Fahrzeuge könnte verkehrsmildernd durch die Schönbornstraße erfolgen in Richtung BAB u, bzw- Trier- Nord.
Felix Brand, Trier- Heiligkreuz
2. Juli 2009 (10:06 Uhr)
@ Felix Brand:
Ich sehe das genauso. Bei dem Zuschnitt des Grundstücks ist es nicht gerade einfach, einen Investor zu finden. In der Ortsbeiratssitzung jedenfalls konnte die Stadtverwaltung nicht davon berichten, dass sich Investoren danach drängeln, die Ergebnisse der bisherigen Planungsworkshops umzusetzen. Also: Kein Hotel, keine Erweiterung des Alleencenters. Die Alternativen sind: Paket- und Briefstützpunkt oder weiteres Zuwarten mit einer unansehnlichen Brache.
Glücklicherweise hat der OB verhindert, dass kein Bebauungsplan aufgestellt wird. Kein Bebauungsplan bedeutet ja nicht, dass dort dann nicht gebaut werden darf. Im Gegenteil: Gebaut werden darf dann, was ungefähr so aussieht, wie die Umgebung (in punkto Größe des Gebäudes, Nutzungsart usw.). Und wer sich die Umgebung anschaut, wird schnell feststellen, dass dann alles mögliche gebaut werden kann.
Wer sich einmal überlegt, wie bei uns Post zugestellt wird, nämlich einmal am Tag, wird schnell zur Überzeugung kommen, dass beim Verteilstützpunkt kein stetes Kommen und Gehen der kleinen Postlaster zu erwarten ist. Lediglich zu bestimmten Tageszeiten muss damit gerechnet werden.
Weiterer Punkt: Ein Gebäuderiegel schützt ein Stück weit die Anwohner der Güterstr. vor dem Lärm der Bahn und insbesonderer dem Güterverkehr am späten Abend.
Malte Beyer, Mitglied im Ortsbeirat Trier-Kürenz (SPD)
2. Juli 2009 (18:16 Uhr)
@ Malte Beyer
Der OB hat nicht verhindert, dass “kein” Bebauungsplan aufgestellt wird. Er hat durch seinen begrüßenswerten Vorschlag allerdings verhindert, dass sich der Rat durch eine “Negativ-Abgrenzung” allzu sehr in den Möglichkeiten der Planung einschränkt. Im Grunde stand der Beschluss nicht auf der Kippe (lediglich B90/Die Grünen hatten Gegenstimmen angekündigt), nur war die Diskussion bereits inhaltlich derart vertieft (eigentlich etwas, das während des B-Plan-Verfahrens erfolgt), dass die Gefahr eines Schnellschusses bestand, mit dem sich der Rat dann selbst unnötig beschränkt hätte, noch vor der eigentlichen Verträglichkeitsprüfung.
Zurecht verweisen Sie aber darauf, dass keinen Bebauungsplan aufzustellen die Gefahr vergrößert hätte, dass das Vorhaben ohne wesentliche Beteiligung der Stadt durchgesetzt werden könnte (siehe Aldi am Eisenbahnausbesserungswerk). Der Stadt wären die Hände gebunden, ohne planerisch Einfluss nehmen zu können. Die Baudezernentin wies in der Sitzung auf diese Gefahr explizit hin – dies war auch der Grund für die FDP-Fraktion, den Aufstellungsbeschluss mitzutragen.
Dennoch: Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn solche Brachflächen entwickelt werden – von der Stadt, die die Planungshoheit hat, zusammen mit einem Investor, der bereit ist, Geld zu investieren und Planungen umzusetzen. Der Investor muss die Chance bekommen, sein Vorhaben zu verteidigen bzw. anzupassen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Hierzu hat er im Planverfahren die Gelegenheit!
Thomas Egger
Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion
3. Juli 2009 (09:56 Uhr)
So begrüßenswert die hier verlinkte Initiative für eine Gleisquerung (Über- oder Unterführung) am Hbf, so gefährlich und blödsinnig ist die dortige “Werbung” für die unberechntigte Nutzung des Betriebswegs über die Gleise. Der bestehende Weg ist nur für Bahnpersonal gedacht, die eine entsprechende betriebliche Sicherheitseinweisung erhalten haben. Für alle Anderen ist das Überschreiten der Gleise an dieser Stelle verboten und das ist auch gut so!
Der Übergang ist in keiner Weise gesichert. Güterzüge fahren am Hbf mit gut 40-50 km/h durch und haben einen Bremsweg von mehreren hundert Metern. Das Queren der Gleise ist darum lebensgefährlich und zu Recht verboten! Wer sich selbst dort in Gefahr bringen möchte, sollte vielleicht auch mal an den Lokführer denken, wie es dem geht, wenn es eben “nicht ganz gereicht hat” und der Gleislatscher vom Zug erwischt wurde.
31. Juli 2009 (21:27 Uhr)
Ich finde das was die Chris da sagt ist völliger Quatsch. Ja, es ist zwar richtig, dass die Gleise 11 und 12 sehr stark befahren sind, aber um diese zu überqueren gibt es ja auch eine Unterführung und ich kann nur im Namen der Bürgerinitiative allen raten, diese auch zu benutzten. Den restlichen Teil des Gleisübergangs habe ich in den 3 Jahren, wo ich in Trier schon über 1000-mal, also mehrfach täglich benutzt; dort fahre nur ab und zu ein paar Güterzüge oder die Züge die an Steig 13 halten ab. Aus Sicherheitsgründen sollte man zusehen, dass die Zug-Ampeln auf “Rot” stehen und mal sollte wie an jedem Zebrastreifen auch nach rechts und links schauen. Im Gegensatz zum vielen Zebrastreifen, hat man beim Bahnübergang eine sehr weite und meist gute Sicht und selbst nachts ist das Bahngelände u.a. durch die Bahnhofs- und Staßenlampen noch hell genug erläuchtet um heranfahrende Züge (die nachts zudem immer Scheinwerfer anhaben) gut zu sehen. Für mich persönlich, und ich bin ein vorsichtiger Mensch, ist dieser Bahnübergang sicherer als in der Güterstraße in der Nähe der Pizzarei die Straße zu überqueren, denn da sieht man die meist sehr schnell heranrauschenden Autos wegen der Kurve nämlich nicht.
A propos, letzter Zug aus Luxemburg. Wenn man nachts um diese Uhrzeit mit viele Gepäck und einem großen Koffer in die Güterstraße möchte kann man praktisch nur über den Bahnübergang oder mit einem bahnhofseigenen Kofferkuli (Kofferwagen) außen herum, da auch kein Bus in die Güterstraße fährt. Doch auch das entwenden eines Kofferkulis ist den armen Reisenden verboten und zudem bewacht nachts jetzt immer ein Wachmann den Übergang. Wegen diesem habe ich im Winter z.B. auch einmal versucht meinen Koffer per Hand die lange Strecke zu schieben, doch der Schnee hat dabei wie eine Schaufel funktioniert und der Koffer blieb alle paar Meter stecken. Nach über einer Stunde war ich endlich in der Güterstraße, aber noch lange nicht zu Hause; das war einfach nur die reinste Hölle.
Ich hoffe Ihr könnt die Argumente der Bürgerinitiative jetzt vielleicht etwas besser verstehen. Ich persönlich bin jedoch letztendlich auch für eine Fortstzung der bereits vorhandenen Unterführung, genau wie die Initiative. Ich glaube zudem auch nicht, dass Frau Lehnert als Autofahrerin den Bahnübergang schon einmal nutzen musste, zudem wohnt sie so viel ich weis auch nicht in Trier-Ost. Allerdings benutzen ihre Kollegen, richtig, die Bundespolizeibeamten und hunderte Bahnangestellte den Gleisübergang täglich, da sie kostenlos auf dem Bahngelände (Güterstraße) parken dürfen. Bitte passt auf, was Politiker und Saatsinstrumente euch vermitteln wollen, meist ist es eine sinnvolle Wahrheit, machmal aber nur sinnloser Eigenschutz, bzw. -nutz; also hinterfragt auch mal.
Aus strafrechtlichen Gründen wegen des often Gebrauchs dieses, für mich sehr praktischen, Bahnübergangs nenne ich hier nicht meinen Namen.
Mit freundlichen Grüßen,
für die Bürgerinitiative “Bahnuebergang-Trier für alle” n. e.V. ( http://www.Bahnuebergang-Trier.de.tl )
31. Juli 2009 (21:28 Uhr)
Wer sich dennoch nicht bei den Aktionen auf http://www.Bahnuebergang-Trier.de.tl beteiligen möchte aber eine Veränderung dieses, für viele Fußgänger und Anwohner nerveraufreiben, Zustandes herbeisehnt, kann sich gerne andersweitig einsetzen, denn letztendlich zählt das Ziel. Diese Bürgerinitiative möchte ja auch nur Aufmerksamkeit für dieses lästige Problem schaffen, damit die Politiker, welche seit Jahren im Wahlkampf mit dem Zeil einer Verbessertung der Verkehrsbedingungen auf Stimmenfang gehen, endlich aktiv werden und dieses Problem lösen.
Auf der Internetsteite des Stadtrats http://www.Buergerhaushalt-Trier.de könnten die Bürger zudem im Juni/Juli 2009 in einer ersten Phase für die fünf dringesnsen Projekte in ihrem Statteil mitbewerten, damit das Haushalstgeld der Stadt sinnvoll angelegt wird. Für eine Fuß- und Radwegverbindung zu Bahnhof haben u.a. für Kürenz alleine 51 Personen mitgemacht und druchschnittlich 4,53 von 5 Punkten abgegeben: 1. Platz.
Diese Ergebnis ist nicht zuletzt der rastlosen Arbeit der ‘Bürgerinitiative Bahnübergang-Trier für alle’ n. e.V. zu verdanken und somit werden alle die eine schnellstmögliche Veränderung wünschen, gebeten sich auch an der 2. Phase im September zu beteiligen.